Das Farbtool kann man einfach für sich selbst verwenden. Viele Therapeut:innen entdecken jedoch schnell, dass Farben auch in einer Sitzung interessante Impulse geben können.
Der Pro-Modus wurde genau für solche Situationen entwickelt. Er erlaubt zusätzliche Einstellungen und ermöglicht es, die Farbe gezielt für ein bestimmtes Thema wirken zu lassen.
Bevor man damit arbeitet, lohnt es sich jedoch, einen wichtigen Grundgedanken zu verstehen.
Wenn Sie das Farbtool neu kennenlernen, empfehlen wir zuerst die Artikel der Serie „Die Wirkung von reinen Farben“ zu lesen. Sie helfen, den Ansatz des Tools besser zu verstehen.

Keine Farbbedeutungen
Viele Methoden arbeiten mit festen Farbbedeutungen. Genau hier liegt beim Farbtool jedoch eine wichtige Besonderheit.
Wenn man Farbbedeutungen in die Arbeit mit dem Farbtool hineinbringt, kann das seine Wirkung deutlich einschränken – im Extremfall sogar komplett blockieren.
Farbbedeutungen gehören immer zu einem bestimmten System. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn man innerhalb dieses Systems arbeitet.
Das Farbtool folgt jedoch einem anderen Prinzip:
Hier wird keine Bedeutung interpretiert.
Die ermittelte Farbe ist schlicht die Frequenz, die im Moment hilfreich sein kann, um ein inneres Gleichgewicht zu unterstützen.
Wenn also beispielsweise Blau erscheint, bedeutet das nicht:
„Du brauchst mehr Ruhe.“
oder
„Dein Wasserelement braucht Unterstützung.“
Solche Interpretationen führen den Fokus weg von dem, was gerade wirkt.
Die Farbe darf einfach wirken.
Wie Farbe wirkt
Die Farbe allein entfaltet noch keine therapeutische Wirkung.
Sonst würden die Farben, denen wir im Alltag begegnen, bereits ausreichen, um uns ständig in innerem Gleichgewicht zu halten.
Die Wirkung entsteht erst durch den Zusammenhang mit einem Thema.
Man könnte sich das bildlich so vorstellen:
Das Thema ist eine Zielscheibe.
Die Farbe ist der Pfeil, der genau darauf trifft.
Der Ablauf ist deshalb sehr einfach:
- Das Thema bewusst machen
- Die passende Farbe bestimmen
- Beim Thema bleiben und die Farbe wirken lassen
Während der Anwendung ist es hilfreich, gedanklich beim Thema zu bleiben. Wenn man merkt, dass die Gedanken abschweifen, genügt es meist, kurz wieder zum Thema zurückzukehren.
Man könnte sagen:
Im Bewusstsein treffen sich das Thema und die Farbe.
Arbeiten mit dem Pro-Modus
Im Pro-Modus übernimmt die Therapeutin oder der Therapeut eine zusätzliche Aufgabe.
Über einen kinesiologischen Muskeltest kann zunächst die Wirkfarbe bestimmt werden. Anschliessend lassen sich verschiedene Einstellungen austesten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Ausgabemodus (Fix, Wide, Wipe, Pulse)
- Wirktiefe
- Geschwindigkeit
Diese Einstellungen folgen keiner festen Theorie. Sie sind eher praktische Parameter, die in einer Sitzung ausprobiert werden können.
Gerade in der Kinesiologie ist das unkompliziert: Man testet einfach, welche Einstellung in diesem Moment am besten passt.
Warum im Farbtool keine Farbwerte gespeichert werden
Beim Arbeiten mit Farben entsteht schnell die Idee, bestimmte Farbwerte bestimmten Themen oder Symptomen zuzuordnen.
Auch beim Farbtool lag dieser Gedanke zunächst nahe. Man könnte versuchen, die wirksamen Farben zu sammeln und daraus eine Art Farbkarte für bestimmte Themen (in Kinedata sogar für die verschiedenen Gewebe) zu erstellen.
In der Praxis zeigt sich jedoch etwas anderes.
Selbst bei sehr ähnlichen Themen reagieren Menschen oft auf unterschiedliche Farben. Eine Farbe, die bei einer Person stark wirkt, kann bei einer anderen Person kaum eine Reaktion auslösen.
Die Resonanz entsteht nicht allein durch das Thema – sondern durch die Begegnung zwischen Thema und individueller Wahrnehmung.
Deshalb speichert das Farbtool bewusst keine Farbwerte für bestimmte Themen oder Gewebe.
Die Farbe wird jedes Mal neu bestimmt.
Sie ist kein fixer Wert, sondern ein Impuls, der genau zu diesem Moment passt.
Warum das Farbtool mit Bildschirmfarben arbeitet
Man könnte sich fragen, ob man für die Arbeit mit Farben nicht einfach Farbkarten verwenden kann.
Farben auf Papier entstehen jedoch anders als Farben auf einem Bildschirm.
Eine gedruckte Farbe reflektiert nur bestimmte Anteile des einfallenden Lichts. Wir nehmen sie deshalb als eine bestimmte Farbe wahr.
Das bedeutet aber auch:
Die wahrgenommene Farbe hängt stark vom vorhandenen Licht ab.
Bei künstlichem Licht, bei bewölktem Himmel oder bei unterschiedlicher Beleuchtung können sich die Farbanteile verändern. Dadurch erscheint die Farbe leicht anders.
Auf einem Bildschirm entsteht die Farbe dagegen direkt aus farbigem Licht. Die einzelnen Farbanteile werden gezielt erzeugt und kombiniert.
Dadurch bleibt die dargestellte Farbe wesentlich stabiler und präziser.
Das Farbtool nutzt diesen Vorteil des Bildschirms und kann so eine sehr grosse Vielfalt an Farbtönen darstellen – weit mehr, als man mit physischen Farbkarten realisieren könnte.
Auch im Pro-Modus keine Interpretation
Auch im Pro-Modus bleibt ein Grundprinzip wichtig:
Die Farbe sollte nicht interpretiert werden.
Man könnte sich das so vorstellen:
Die ermittelte Farbe trifft das Thema sehr genau. Wenn man beginnt, sie zu deuten, verändert sich oft der Fokus. Dadurch kann es passieren, dass man sich gedanklich von dem ursprünglichen Punkt entfernt.
In diesem Moment stimmt die Ausrichtung nicht mehr ganz.
Deshalb bleibt der Ablauf auch im Pro-Modus einfach:
Thema bewusst machen – Farbe bestimmen – wirken lassen.
Pro-Modus auch für die eigene Anwendung
Der Intuitiv-Modus wurde entwickelt, damit man das Farbtool auch ohne Muskeltest verwenden kann. Die Einstellungen sind dort bewusst so gewählt, dass sie in den meisten Situationen gut funktionieren.
Wer jedoch selbst testen kann oder über eine gute Körperwahrnehmung verfügt, kann auch für sich selbst den Pro-Modus nutzen.
Man kann zum Beispiel:
- intuitiv eine Farbe bestimmen
- verschiedene Modi kurz ausprobieren
- beobachten, welcher Modus die stärkste Resonanz auslöst
Viele Menschen können erstaunlich gut spüren, welche Einstellung gerade am besten passt.
Vorteile der Arbeit mit Farben
Farben haben einen besonderen Vorteil in therapeutischen Prozessen.
Sie wirken, ohne dass ein Thema ausführlich besprochen oder analysiert werden muss.
Das kann hilfreich sein, weil Gespräche manchmal Widerstände auslösen oder Menschen Schwierigkeiten haben, ihre Themen in Worte zu fassen.
Farben können deshalb auch ein guter Einstieg in eine Sitzung sein.
Manchmal hilft es, zunächst das aktuell Vordergründigste etwas zu glätten. Dadurch entsteht eine ruhigere Ausgangssituation für die weitere Arbeit.
Farben im Kontext von Kinedata
Innerhalb der Kinedata-Suite kann das Farbtool an vielen Stellen eingesetzt werden.
Es lässt sich während einer Sitzung jederzeit aufrufen und wird auch als mögliche Balance-Ebene angezeigt.
In manchen Fällen zeigt der Muskeltest sogar direkt an, dass die Arbeit mit Farbe die wirksamste Ebene für den aktuellen Prozess sein kann.
Ruhiger Abschluss
Am Ende bleibt der Umgang mit Farben erstaunlich einfach.
Es geht nicht darum, sie zu interpretieren oder zu erklären.
Die Farbe erscheint.
Ein Thema ist präsent.
Und manchmal genügt es, beides für einen Moment zusammenkommen zu lassen.












